Gepostet am 13. April 2015 · Gepostet in Sprachwissenschaft

Mir könnet älles. Außer Hochdeutsch!“ Mit diesem mittlerweile bundesweit bekannten Slogan wirbt Baden-Württemberg dafür, Schwäbisch endlich salonfähig werden zu lassen und fordert mit einem Augenzwinkern von Angehörigen anderer Mundarten, einem Schwaben bei einem offiziellen Anlass das Nicht-Einhalten der Hochdeutsch-Pflicht doch einmal nachzusehen. Er ist schließlich Schwabe…

Können Schwaben denn wirklich kein Hochdeutsch? Oder „könnet mir älles. Sogar Hochdeutsch“? Und was genau ist Hochdeutsch eigentlich?

Das heutige Hochdeutsch, sprich Deutsch ohne eine Dialektfärbung, als Standardsprache stammt vom Mittel- und Althochdeutschen ab.

Das Althochdeutsche ist, entgegen der instinktiven Begriffsauffassung, keine konkret definierte Sprachepoche, und auch geografisch nicht eindeutig fassbar. Dennoch steht fest, dass unter „Althochdeutsch“ eine Gruppe westgermanischer Sprachen im ungefähren Zeitraum 750-1050 fielen. Diese Sprachen wurden südlich der sogenannten „Benrather Linie“, die von Düsseldorf-Benrath grob nach Osten verläuft, gesprochen und unterschieden sich von den restlichen germanischen Sprachen nördlich davon.

Streng genommen lässt sich auch nicht nur von dem Althochdeutschen sprechen, da es eher eine Ansammlung eng verwandter Mundarten war und man daher präziser von Altbairisch oder Altalemannisch spricht.

Überlieferte althochdeutsche Schriftstücke finden sich nur sehr wenige, was auch damit erklärt werden kann, dass nur die wenigsten Menschen damals des Lesens und Schreibens mächtig waren und Schreiber oder Würdenträger der Kirche lateinisch schrieben. Dennoch findet man beispielsweise das bekannte Hildebrandslied aus dem 9. Jahrhundert als handschriftliche Aufzeichnung auf Althochdeutsch. Ein durchschnittlicher Sprecher des heutigen Hochdeutschen wäre aber wohl kaum in der Lage, diesen frühen Vorläufer seiner Sprache zu verstehen, da der Unterschied trotz der engen Verwandtschaft dennoch beträchtlich ist.

Circa im 11. Jahrhundert fand die Abgrenzung zum Mittelhochdeutschen statt. Eines der Hauptmerkmale, die beide Sprachepochen voneinander unterscheiden, sind die lateinischen, im Althochdeutschen noch erhaltenen, Endungen von starken Vokalen (a, o), die im Mittelhochdeutschen eher zu e abgeschwächt wurden.

Auch hier findet man heute noch bekannte Sprecher, wie Walther von der Vogelweide, deren Dichtung oder Minnesang schon eher verständlich ist, auch wenn sich immer noch etliche Wendungen finden, die heute nicht mehr geläufig sind. Auch die vollkommen uneinheitliche Orthographie erschwert das Verständnis heute nicht unerheblich.

Etwa ab 1350, bei früheren Forschern auch erst ab 1500, wird der Übergang zum Neuhochdeutschen, wie wir es heute in etwa kennen, festgelegt. Zumindest die Grammatik und zum großen Teil auch die Orthographie vereinheitlichten sich zu dieser Zeit in einer Weise, die sich von unserem heute gesprochenen Hochdeutsch nicht mehr allzu sehr unterscheidet.

Die umstrittene Hochdeutsch-Kompetenz der Schwaben ist damit zwar immer noch nicht zweifelsfrei geklärt, da aber auch Schwäbisch alt- und mittelhochdeutsche Wurzeln hat, ist zu vermuten, dass selbst Schwaben des Hochdeutschen mächtig sein müssten. Deshalb: „Mir könnet zwar net älles. Aber Hochdeutsch auf jeden Fall!