Gepostet am 29. Januar 2015 · Gepostet in esperanto, Sprachwissenschaft

Haben Sie schon einmal etwas von der Sprache mit dem hoffnungsvollen Namen gehört? Bestimmt…

Ludwik Lejzer Zamenhof, ein polnisch-jüdischer Augenarzt und Philologe, erfand diese künstliche Plansprache schon im Jahre 1887 unter dem Pseudonym Doktoro Esperanto (Dr. Hoffender). Damit drückte er unmissverständlich seinen Wunsch aus, sämtliche Sprachbarrieren ein für alle Mal zu beseitigen und allen Menschen der Welt ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.

Um auch eher mathematisch begabten Menschen die weltweite Kommunikation zu ermöglichen, legte Zamenhof größten Wert darauf, seine Konstruktion so einfach wie möglich zu halten. Darum sind Deklinations- und Konjugationsregeln im Esperanto streng logisch aufgebaut.

Zum Beispiel haben Substantive immer die Endung -o, Adjektive dagegen enden auf -a. „Domo“ ist also „Haus“ und „doma“ demnach „häuslich“. Die Pluralbildung wird mit dem Anhängen eines j erreicht, („domoj“ = Häuser)

Durch diese stark vereinfachte Grammatikkonzipierung soll der Lernaufwand in Schach gehalten werden. Außerdem zählte ja auch die weltweite Verbreitung zu Zamenhofs Intentionen; das heißt, dass die Sprache für einen US-Amerikaner genauso leicht und mühelos zu erlernen sein soll wie für einen Südafrikaner.

Wird dieser Anspruch erfüllt?

Betrachtet man einige Vokabeln des Esperanto („domo“ = Haus, „estar“ = sein, „hundo“ = Hund), fällt einem etwas versierteren Leser sehr schnell die extreme Anlehnung an romanische Sprachen aus. Zum Beispiel existiert „estar“ in exakt derselben Form im Spanischen und Portugiesischen ebenfalls. Auch „domo“ ist dem lateinischen „domus“ sehr nahe.

Dies hat zur Folge, dass Esperanto für einen romanischen Muttersprachler wirklich, wie vorgesehen, umstandslos beherrscht werden kann. Stellt man sich dagegen einen slawischen oder afrikanischen Sprecher vor, liegt der Eindruck nahe, dass sich die Balance eindeutig zu Gunsten des romanischen Sprachstammes verschiebt.

Die Auswirkungen sind frappierend! Nicht umsonst hat sich die, zugegebenermaßen sehr verlockende, Vision Zamenhofs nie vollständig erfüllt. Auch wenn die Sprecherzahl nicht eindeutig angegeben werden kann, lässt sich bedauerlicherweise nicht behaupten, dass Esperanto eine Weltsprache mit Millionen von Sprechern wäre. Im Gegenteil, es ist weltweit eher an den Rand gedrängt; pflegt sozusagen ein Schattendasein. Englisch ist immer noch unangefochten die Königin unter den Weltsprachen. Esperanto stellt (sicherlich auch aus dem genannten Grund der eindeutigen Bevorzugung von romanischen Muttersprachlern) nicht im Mindesten eine ernstzunehmende Konkurrenz dar. Hinzu kommen bei einigen noch das Widerstreben, eine Kunstsprache zu lernen, sowie die fehlende Motivation, da Englisch schon als allgemeine Weltsprache und somit als Lingua franca angesehen wird. Der Bedarf, Englisch als solche abzulösen, scheint offensichtlich nicht überall vorhanden zu sein.

Nichtsdestotrotz ist Esperanto ein sehr schönes Hobby: Es gibt in vielen größeren Städten Esperanto-Gemeinschaften oder -Organisationen, die auch Treffen im Ausland zwischen Esperanto-Lernenden aus mehreren Ländern organisieren. Neue Freunde und interessante Bekanntschaften ergeben sich so im Nu. Auch die Möglichkeit, fremde Kulturen kennenzulernen, ist gegeben. Somit lohnt es sich allemal, diese Sprache zu lernen!