Game of Thrones: Von der Kunst, Sprachen zu erfinden

Gepostet am 27. Juli 2016 · Gepostet in Sprachwissenschaft

Zaldrizes buzdari iksos daor!“ Dem ein oder anderen unter Ihnen klingen diese Worte vielleicht noch bedeutungsvoll in den Ohren und vor Ihrem inneren Auge sehen sie die epochal anmutende Szene der dritten Staffel aus „Game of Thrones“ lebendig vor sich: Daenerys Targaryen steht vor der Sklavenarmee der Unbefleckten, die sie soeben von Sklavenhändler Kraznys im Tausch gegen einen Drachen erworben hat. Sie richtet ihr Wort zur Überraschung aller auf valyrisch an die Sklavenarmee und befiehlt dieser, die Sklavenhändler zu töten. Dann dreht sie sich um und wendet sich mit würdevoller Überlegenheit an Kraznys und erklärt völlig unerwartet in valyrischer Sprache: „Ein Drache ist kein Sklave!“ Daraufhin tötet ihr Drache den Sklavenhändler und kurz darauf liegt ganz Astapor in Schutt und Asche. Die von Daenerys gekauften Sklaven folgen ihr als Armee freier Männer.

Auch für den Fall, dass sie noch nie eine Folge der Serie „Game of Thrones“ gesehen haben sollten, so ist doch eines klar: Sprache spielt auch hier eine entscheidende Rolle. Und dabei wäre es ein großer Fehler zu glauben, die dort gesprochenen Sprachen Valyrisch und Dothraki seien lediglich ein paar kurz zusammengewürfelte Silben ohne jede Bedeutung. Tatsächlich handelt es sich bei beiden um hochkomplexe, komplette Sprachen, die so auch ohne weiteres gesprochen werden könnten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass hinter beiden Sprachen die Arbeit eines wahren Sprachenexperten steckt: So hat der US-amerikanische Linguist David Peterson innerhalb weniger Wochen beide Sprachen exklusiv für die Fernsehserie entwickelt. Dabei hatte er von den Produzenten zwei Vorgaben: Die fertigen Sprachen sollten die bereits einzeln erwähnten Worterfindungen des Autors George R. R. Martin aus der Buchvorlage („Das Lied von Eis und Feuer“) in Dothraki und Valyrisch aufgreifen. Zum anderen sollten beide Sprachen fremdartig klingen und vor allem Dothraki besonders scharf und rau wirken. Doch was macht eine Sprache „scharfklingend“? Zunächst begann Peterson damit, sich mit den Lauten der Dothraki-Sprache zu beschäftigen.

Eine Sprache entsteht

Schließlich kristallisierten sich folgende Charakteristika der Aussprache heraus: Es sollte doppelte Vokale innerhalb der Worte geben, die separat auszusprechen wären. Das „r“ wäre zu rollen, wie beispielsweise im Spanischen und Laute wie das deutsche „ch“ sollten vorherrschend sein. Dazu sollte entweder die letzte oder die vorletzte Silbe betont werden, was vor allem von englischsprachigen Zuschauern als besonders exotisch wahrgenommen würde. Daraufhin folgten detaillierte Entwicklungen bezüglich der Grammatik, wie z.B. Satzbau, Konjugation und Deklination.

Dann stellte sich Peterson die Frage, wie das wilde Reitervolk der „Dothraki“ überhaupt lebt. Was ist für sie wichtig und wovon wird ihr Alltag bestimmt und wie wirkt sich das auf Kultur und Sprache aus? Der Umgang der Dothraki untereinander ist oftmals (ebenso wie die Sprache) eher rau, so existiert konsequenterweise kein Ausdruck für „Danke“ in ihrem Vokabular. Und natürlich ist so ein Steppenvolk auch dann nicht zimperlich, wenn es darum geht, sich gegenseitig auch einmal zu beschimpfen. So gilt unter Dothrakis der Satz: „Du läufst wie ein kleiner Junge!“ als größte Beleidigung, da ein stolzer, erwachsener Dothraki sich meist auf seinem Pferd würdevoll in den Krieg bewegt und es nicht nötig hat, einfach nur gewöhnlich zu laufen.

Mithin wird das Leben der Dothraki also sehr durch ihre Pferde, das Nomadenleben, sowie Kriegertum und Kampf bestimmt. So war es für Peterson ganz klar, dass es auf Dothraki nicht nur ein einzelnes Wort für „Pferd“ geben konnte. Für einen Dothraki wäre es vermutlich wichtig, ein Pferd ganz genau nach Aussehen, Aufgabe, Alter und Geschlecht bezeichnen zu können, alles andere wäre einfach nicht realistisch gewesen.

Man merkt schnell, dass es vieler Ideen, Wissen und Gedankenschritte bedarf, um eine glaubwürdige und exotische Kunstsprache zu entwickeln. Und apropos „exotische Sprache“: Sollten Sie einmal bei einer Übersetzung Hilfe benötigen, stehen wir Ihnen sehr gerne jederzeit zur Verfügung!