Gepostet am 26. August 2016 · Gepostet in Sprachwissenschaft

Dif-tor heh smusma! Sie wissen nicht, was das bedeutet? Dies ist eins der berühmtesten Zitate aus einer der vielleicht weltweit bekanntesten Sendungen: “Lebe lang und in Frieden”, aus Star Trek.

Star Trek ist in unserem Leben so fest verankert, dass der Begriff „Trekkie“ in unseren Wörterbüchern definiert ist, und wenn Sie nichts von der Sendung gehört haben, müssen Sie wohl vom äußeren Rand des Universums stammen. Teil ihres riesigen Erfolgs liegt in der Komplexität ihrer kulturellen Konstruktion. Als im Jahr 1966 die erste Fernsehserie begann, wurde in Star Trek ausschließlich Englisch gesprochen. Der Fokus lag dabei gänzlich auf der Enterprise, der Besatzung und in erster Linie auf dem Kapitän und seinen wichtigsten Offizieren. Im Laufe der Zeit und mit wachsender Popularität wurde das Star-Trek-Universum sowohl in den Filmen als auch in der Spin-off-Serie erweitert und es entwickelte sich eine derart riesige Fangemeinde, dass sie sogar ihren eigenen Namen erhielt.

„Pon Farr“, die „Paarungszeit“

Die Charakterisierung wurde weiter entwickelt und Außerirdische erlangten Territorien, eine Geschichte, Verhaltensmerkmale und eine Sprache. Mr. Spock war in der Originalserie die einzige Stammrolle mit unverwechselbaren, außerirdischen Charakteristiken, aber auch er sprach bis zur 30. Folge kein Vulkanisch, und danach auch nur in Extremsituationen, wenn er vom Drang nach Sex übermannt wurde. Einige andere Wörter wurden in dieser Folge aufgenommen, aber Vulkanisch entwickelte sich nicht wirklich als Arbeitssprache, bis die Filme herauskamen und anspruchsvollere Spin-offs entstanden sind.

In den ersten beiden Filmen sprachen die Schauspieler weiterhin Englisch und das Vulkanisch wurde nachsynchronisiert, aber dann breitete sich die Sprache immer weiter aus. Trekkies erstellten ihre eigenen Wörterbücher und entstandene Fangruppen bauten die Grundinformationen zu vollständigen Kulturgeschichten aus. Die ersten paar Sätze in einer außerirdischen Sprache steuerte der Schauspieler James Doohan (Scotty) bei. Der Experte für Akzente und Imitation sprach auch die Worte für die Synchronisierung, aber der Hauptimpuls, aus diesen Worten eine richtige Sprache aufzubauen, kam von Experten.

Klingonisch

Der amerikanische Linguistikprofessor Marc Okrand arbeitete an Untertiteln für die Oscar-Verleihung 1982, als er den Produzenten von Star Trek II traf. Dieser engagierte ihn, um für die nachfolgenden Filme die klingonische Sprache zu entwickeln und später das bereits in Grundlagen vorhandene Vulkanisch und Romulanisch zu erweitern. Mit seinem fundierten Sprachwissen schuf Okrand eine vollständige Sprache mit Grammatik, Syntax und Wortschatz und im Jahr 1985 veröffentlichte er das enorm erfolgreiche „Klingon Dictionary“ (klingonisches Wörterbuch).

Klingonisch wurde unter den Trekkies so populär, dass Okrand zwei weitere Bücher veröffentlichte, und im Jahr 2010 arbeitete er als Co-Autor an einem Opernlibretto auf Klingonisch. In diesem Jahr konnte auch eine Shakespeare-Aufführung auf Klingonisch besucht werden, die Übersetzungen stammten vom Klingon Language Institute (Institut für Klingonische Sprache). Vor 30 Jahren wurde ebenso das Vulcan Language Institute (Institut für Vulkanische Sprache) ins Leben gerufen und Fans führten ein vollständiges Sprachsystem mit verschiedenen Dialekten ein.

Mittlerweile läuft zwischen den Filmstudios und den Produzenten des unabhängigen, von Fans finanzierten Star-Trek-Films „Axanar“ ein Rechtsstreit. Die Franchise-Filmstudios argumentieren, dass Klingonisch keine echte Sprache sei und dass sie die Rechte daran besäßen. Jedoch hat eine Gruppe von unabhängigen Sprachschöpfern und Linguisten einen Schriftsatz eingereicht, der die Behauptung unterstützt, dass Klingonisch tatsächlich eine lebendige Sprache sei, die von Trekkies auf Conventions, in Fernsehsendungen und Büchern, an Hochschulen und sogar auf Hochzeiten verwendet wird.

Andere Sprachen

In den späteren Star-Trek-Serien kommen auch andere konstruierte Sprachen vor, darunter Rihannsu, die romulanische Sprache, Bajoranisch (häufig in Deep Space Nine) und Ferengi (eigentlich Pidgin-Englisch für „Ausländer“). Keine davon wurde jedoch bis zu dem Niveau der ursprünglichen beiden Sprachen weiterentwickelt. Heutzutage kann man auf der Webseite des Klingon Language Institute Klingonisch lernen, außerdem wurde die Sprache sogar an Hochschulen angeboten.