Gepostet am 24. März 2015 · Gepostet in Sprachwissenschaft

Wie jede andere Branche sieht sich auch die Übersetzungsbranche ständigen Konjunkturschwankungen unterworfen, die durch verschiedene Einflüsse zustande kommen. Scheinbar kleine Veränderungen in Wirtschaft, Politik und Medien können dabei eine große Wirkung hervorrufen, was unbestreitbar die engen und häufig intransparenten Verflechtungen zwischen diesen Zweigen beweist.

Streng genommen ist die Übersetzungsbranche selbst ein Teil der Wirtschaft, und zwar im Dienstleistungs- oder auch Servicesektor. Doch Veränderungen von der ökonomischen Seite her sind immer auch bei der Nachfrage nach Übersetzungen spürbar. Beispielsweise ruft Frankreich als Hauptexportpartner Deutschlands einen für gewöhnlich stabil großen Bedarf an Französisch-Übersetzungen von Seiten transnationaler Unternehmen hervor. Jede Spitze (fachsprachlich „Peak“) dieses Exporthandels steigert dabei die Nachfrage noch, ein Einbruch ruft hingegen auch einen Nachfrageeinbruch hervor. Die Übersetzungsbranche fungiert somit quasi als Gradmesser der Export-Import-Intensität Deutschlands.

Auch die außenpolitischen Auswirkungen sind für sie deutlich spürbar. So spiegelt sich ebenso die politische Haltung Deutschlands gegenüber einem anderen Land bei der Nachfrage wider. Der Bedarf an Übersetzungen durch Unternehmen und Privatpersonen lässt beträchtlich nach, wenn das Land, in dem die zu übersetzende Sprache angesiedelt ist, ohne Vorwarnung zu einem Krisengebiet wird. Auf der anderen Seite nehmen in diesem Fall die Anfragen von amtlicher Seite zu, da die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Gebiet zum Einsatz von humanitärer Hilfe erhöht werden muss. Auch die Aufnahme eventueller Flüchtlinge zieht die Notwendigkeit und somit die Nachfragesteigerung von amtlichen Übersetzungen nach sich.

Ebenso die Wirtschaftspolitik der Regierung, hier die Verbindung zwischen Wirtschaft und Politik, ist verantwortlich für viele Schwankungen der Branche. Streicht das Wirtschaftsministerium bestimmte Subventionen oder deckelt Preise, so provoziert es damit einen Sparkurs vieler Unternehmen. Im Rahmen dieser Einsparungen geht selbstredend auch die Nachfrage an Übersetzungen zurück und es wird mit Behelfs-Übersetzungen gearbeitet.

Der letzte große Einflussnehmer sind die Medien. Es erscheint teilweisefast grotesk, welche enorme Relevanz auch sie für die Auftragslage der Übersetzungsbranche besitzen. Werbung, auch als Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Medien, ist hierfür das klassische Beispiel Durch Werbung kann beispielsweise die Nachfrage nach fremdsprachiger Literatur extrem gesteigert werden, was eine in die Höhe schnellende Nachfrage nach Literaturübersetzungen zur Folge hat. Bahnbrechend für dieses Phänomen waren die heute weltbekannten Jugendbücher der Harry-Potter-Reihe der britischen Autorin J. K. Rowling. Sie zwangen allzu begeisterte Leser dazu, entweder auf die deutsche Übersetzung zu warten oder sich an der englischen Originalausgabe zu versuchen. Beide Möglichkeiten machten allerdings unmissverständlich die Schlüsselrolle der Literaturübersetzer in der Kette Autor – Übersetzer – Leser klar. Dadurch gewannen Literaturübersetzer im gesellschaftlichen Bewusstsein an Relevanz und das Interesse und die Nachfrage an Literaturübersetzungen stieg sprunghaft an.

Doch trotz aller marktbedingter Nachfrageschwankungen unterscheidet sich die Übersetzungsbranche in einem Merkmal von entscheidender Bedeutung deutlich von vielen anderen Branchen: der Qualität! Die Produktionsbranche ist beispielsweise gezwungen, bei einer geringeren Nachfrage mit Einsparungen zu reagieren und somit mit minderwertigeren Materialien zu produzieren.

Die Qualität unserer Übersetzungen bleibt hingegen stets gleich hochwertig – damit Sie sich auch in einer unsicheren Marktsituation immer auf uns verlassen können!